Die Grenze” zwischen Fiktion und Wirklichkeit
veröffentlicht in Antifaschismus am 17. März 2010
Nach der Ausstrahlung des Polit-Thrillers „Die Grenze“ auf Sat 1 haben sich Dutzende Neonazis aus ganz Europa als Freiwillige bei einer militanten rechtsextremen Kameradschaft in Mecklenburg-Vorpommern gemeldet. Sie wollten gegen die im Film ausgerufene sozialistische Republik im Nordosten kämpfen, schrieb ein Neonazi der „Kampf-Kameradschaft-Pommern“ (KKP) in einem Weltnetz-Forum aus Stralsund.
Mangelnde Deutschkenntnisse schuld
Auf Anfrage bestätigte der einschlägig bekannte Neonazi-Kader Kevin-Odin T. aus Schmatzin nahe Anklam die Berichte. Alleine aus Tschechien hätten sich mehr als zehn Kameraden gemeldet, so T. Seit dem Verbot der rechtsextremen Partei DS und den paramilitärischen Unterorganisationen suchten die Kameraden nach neuen Betätigungen, erklärte er.
Der Fernsehsender Sat 1 ist in mehreren europäischen Staaten über Satellit zu empfangen. Offenbar hatten internationale Neonazi-Netzwerke den Film über Internet empfohlen. Allerdings verstanden viele Rechtsextreme im Ausland auf Grund ihrer fehlenden Deutschkenntnisse nicht, dass es sich um eine Fiktion handelte. Ob die KKP den Irrtum aufgeklärt habe, ließ Kevin-Odin T. offen.
Balkanisierung Deutschlands
Auch andere politische Kräfte wollen derweil Kapital aus dem Sat-1-Polit-Trash schlagen. Mehrere sächsische CDU-Politiker bezeichneten die Vorfälle in dem Film als Beweis für die Gefährlichkeit von linksradikalen Elementen in Deutschland. Daher werde man an den Bürgerbündnissen gegen Extremismus – an denen beispielsweise in Limbach-Oberfrohna auch die NPD beteiligt ist – festhalten. Die Anarchistische Pogo Partei Deutschlands (APPD) erneuerte unterdessen ihre Forderung nach einer „Balkanisierung“ Deutschlands.
Außenminister Guido Westerwelle wertete die Missverständnisse im Ausland als Beleg für den niedrigen Stellenwert der Deutschen Sprache in Europa. Die Bundesregierung wolle daher ein internationales Sprachförderprogramm unter dem Titel “Man spricht deutsch” auflegen, um die “Sprache der Ideen” bekannter zu machen. Das Geld dafür wolle man aus den Programmen für Demokratie und gegen Rechtsextremismus ziehen, hieß es aus einschlägigen Kreisen in Berlin.
Unruhen in Georgien
Es ist übrigens kein Einzelfall, dass Zuschauer fiktionaler Unterhaltung Glauben schenken. So sorgte 1938 das Orson Welles Hörspiel “The war of the worlds” in den USA für eine Massenpanik. Und erst am 15. März 2010 kam es in Georgien zu Unruhen, weil ein regierungsnaher Fernsehsender in einem unzureichend als Fiktion gekennzeichneten Film einen angeblichen Einmarsch russischer Truppen in dem Land gemeldet hatte. Auch die Produzenten der ARD-Serie Lindenstraße erreichten immer wieder Mietgesuche, nachdem einer der Protagonisten verstorben, weggesperrt oder mit einem Menschenkatapult in die Hemisphäre geschossen worden war. Die Grenze zwischen Fiktion und Wirklichkeit – bisweilen verschwimmt sie.
Quelle: npd-blog.info




















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